Eleonore LICKL
Die Veranstaltung in den Räumlichkeiten der neuen Pädagogischen Hochschule Wien richtete ihr Augenmerk auf ein österreichisches Spezifikum der Ingenieurausbildung: diese kann bereits ab 14 beginnen, sie dauert fünf Jahre, endet mit einer Reife- und Diplomprüfung und erlaubt nach dreijähriger einschlägiger Berufstätigkeit das Führen des Ingenieurtitels. An den Technischen Universitäten wurden vor Bologna die Diplom-Ingenieure in 10 Semestern ausgebildet, nun sind diese Studien auf das Bachelor und Master System umgestaltet. Die Tagung war von den IGIP-Mitgliedern Karl Mezera, Harald Hofschneider und Eleonore Lickl organisiert worden.
Der erste Tag brachte die internationalen Aspekte in englischer Sprache, Dana Dobrovská (Tschechien) referierte, was einerseits einen guten Lehrer ausmache, andererseits was es mit dem „Copy-and-Paste-Phänomen“ an Universitäten auf sich habe. Die internationalen Dimensionen der Ingenieurausbildung zeigte Claudio Borri (Italien), Latife Rezg (Frankreich) stellte neue Trends in grenzüberschreitender Ingenieurpädagogik am Beispiel des Cartagena Network of Engineering vor.
Der zweite Tag war der österreichischen Ingenieurausbildung 14+ gewidmet. Höhere Technische Lehranstalten (HTL) stellten erfolgreiche Konzepte und Projekte vor. Die Initiative Girls go tech von Judith Wessely und ihrem Team lockt bereits mehr Mädchen in technische Berufe und hilft gesellschaftliche Vorurteile aufzubrechen. Moderne Ingenieurpädagogik weiß, dass Ethik und Technik untrennbar verbunden sind, Leopold Neuhold konnte launig wie immer davon überzeugen. Das Konzept der Didaktikzentren wird an vielen Standorten umgesetzt, Leopold Mathelisch berichtete über seine Initiative für Physik in der Steiermark , Christoph Luef über das österreichische Kompetenzzentrum für Didaktik der Chemie. Helmut Kühnelt rätselte „In Physik über Technik lernen? Wie viel Physik brauchen Techniker?“
Eine Reform der Wiederholungsprüfungen in ingenieurtechnischen Fächern stellte Bert Sefcig vor, ebenso wie die Erfahrungen mit klassenübergreifenden Evaluierungsverfahren zur Qualitätssicherung in der Ingenieurpädagogik.
Projekte und Praxisbeispiele befassten sich mit Elektronischen Lernumgebungen versus Moderation (Werner Hametner), einem Literzähler für Offenausschank (Michael Lausch). Große beeindruckende Projektpräsentationen gab es von den HTLs Wien 10 (Klaus Adamer), Wien 16 (Kurt Kefer), Camillo Sitte (Michael Sramek) Wien 3 (Johannes Neuhofer).
Abgerundet wurden die Projektvorstellungen von Karin Garber, die über Gentechnik im Unterricht berichtete. Auch an der Technischen Universität Wien werden Ingenieurpädagogen ausgebildet, etwa am Beispiel des Informatikmanagement-Studiums (Gerald Futschek).
Eine österreichische Gruppe von 20 Autorinnen und Autoren, allesamt Ingenieurpädagogen, hat einen Band über Methodik und Praxis der Ingenieurpädagogik herausgegeben, dieser Band wurde im Rahmen der Tagung von Christian Dorninger und den Autorinnen und Autoren vorgestellt. (C.Dorninger (Hrsg), Der achtfache Pfad - Methodik und Praxis der Ingenieurpädagogik, Wien: Manz, 2007 ISBN 978-3-7068-3040-9).
Dem Publikum wurde auch die qualitätsgesicherte Ingenieurpädagogikausbildung des ING-PAED IGIP und das Akkreditierungssystem der IGIP vorgestellt (Eleonore Lickl) sowie die Arbeit des Monitoring Committee Austria der IGIP (Harald Hofschneider). Auch an der Pädagogischen Hochschule Wien werden künftig Ingenieurpädagogen ausgebildet (Gerhard Pahr).
Abgerundet wurde die Tagung durch Bernd Lübben, der den Aspekt der nachhaltigen Bildung im IGIP-Curriculum darstellte, und von Norbert Kraker, der den transdisziplinären Ansatz einer Ingenieurpädagogik über die Grenzen hervorhob.
Zur Tagung ist ein Tagungsband erschienen, der 26 deutsch- und englischsprachige Beiträge enthält (ISBN 3-9502049-8-9). Dieser kann im Generalsekretariat der IGIP office@igip.org bestellt werden.